Das Konzept von Private Crendential Systems eröffnet damit ein
gewaltiges Potiential, dass sich bereits heute vielerorts einsetzen
lässt. Neben der Authentifizierung über Pseudonyme, Gewährung
weitgehender Anonymität und dem Verwalten einer Vielzahl persönlicher
Zertifikate, kontrollieren Identity Management Systeme nicht nur
Zugriffe auf Benutzerebene sondern sind ebenso im Soft- und
Hardwarebereich einsetzbar. Dabei muss jedoch sichergestellt werden,
dass die Vergabe der Zertifikat authentisch ist, d.h. von einer
vertrauenswürdigen Instanz erteilt wird. In einem sogenannten Net of
Trust übernehmen alle Teilnehmer des public-key-Verfahrens die
verantwortungsvolle Aufgabe, die Zertifikate anderer Teilnehmer zu
signieren und damit öffentlich zu beglaubigen. Da dieser Vorgang auf
einer subjektiven Vergabepraxis beruht, wurden hirarchische
Publik-Key-Infrastrukturen (PKI) geschaffen, welche die
Authentifizierung digitaler Zertifikate zur Bildung eines sicheren
Netzwerks gewährleisten. Bundesbehörden wie das BSI, namenhafte
Forschungsinstitute sowie kommerzielle Anbieter sind für die
Ausstellung sogenannter Wurzelzertifikate verantwortlich um eine
breite Vertrauensbasis bei den Teilnehmern des Systems zu schaffen.
Sie bieten die grundlegenden Zertifizierungsdienste an, mit denen die
Authentizität, Vertraulichkeit und Verbindlichkeit von
Willenserklärungen bei der Teilnahme an elektronischen Diensten
garantiert werden kann. Entsprechende Systeme bauen Chiphersteller,
Hardware-fabrikanten und Softwareentwickler im Rahmen der Trusted
Computing Group auf, wobei bereits heute Zertifikate bei der
Installation von Treibern eingesetzt werden.
Private Credential Systems sind damit wesentliche Bestandteile im Aufbau sicherer IT-Netzwerke, in denen Vertrauen und Datenschutz Kernthemen des digitalen Geschäftsverkehrs darstellen. Identity Management Systeme gewährleisten dabei durch die kontrollierte Herausgabe persön-licher Daten nicht nur die Authentizität des Benutzers, sondern werden zugleich hohen Datenschutzaspekten gerecht. Ähnlich wie im alltäglichen Leben stellen diese Systeme jedoch keinen Vertrauensersatz zu Zertifizierungsdiensten dar, sondern erleichtern nur den Umgang mit einer Vielzahl digitaler Ausweise. Die Aufgabe, die Vertrauenswürdigkeit der Spitzenorganisa-tionen festzustellen, die bei der Zertifikatvergabe an oberster Stelle stehen, übersteigt jedoch die technischen Möglichkeiten. Ehe diese leistungsstarke Technik zum Einsatz kommt, sind daher grundlegende Überlegung zum Aufbau einer Publik-Key-Infrastruktur mit der Installation vertrauenswürdiger Zertifizierungsstellen notwendig. Die Bescheinigung eines unbekannten Dritten, dessen Institution nicht auf eine wohlbekannte und anerkannte Ausgabestelle zurückzuführen ist, ist nur schwer in der Lage, Glaubwürdigkeit beim Empfänger zu erlangen. Die Intervention durch die öffentliche Hand oder etablierter Unternehmen ist daher unerlässlich und können durch die zur Entwicklung der Technologie gegründeten Konsortien, wie die Trusted Computing Group oder das European PRIME Projects, erfolgen. Ob dieses Technologie vom Endanwender denn letztlich auch als vertrauenswürdig anerkannt oder als Kontrollsystem skeptisch zurückgewiesen wird, bleibt abzuwarten. Die vertrauensschaffenden Massnahmen liegen hier gleichermaßen im Marketing wie auch der Unternehmensphilosophie beteiligter Unternehmen.
Matthias Bernauer, 20. Januar 2005